Ganz offiziell hat das zweite Semester vor einer Woche angefangen. Üblicherweise komme ich zu Jahresbeginn immer eher träge aus den Startlöchern. Grundsätzlich hab ich auch immer noch mindestens bis zum Beginn der Kalenderwoche 1 Urlaub. Wenn das ungünstig fällt, dann auch schon mal eine halbe Woche länger. Ich hab in den ersten Tagen des Jahres schlichtweg keinen Bock zu arbeiten. Es gibt auf der Arbeit kaum was zu tun (obwohl sich der bemühte Mitarbeiter natürlich immer was suchen kann) und man muss den gleichen "Neujahrs-Smalltalk" gefühlte hundertfünfunddreißig Mal halten. Das geht mir ziemlich auf den Zeiger. Da bin ich lieber zuhause und versuche meinen eigenen Kram zu sortieren und für das neue Jahr einzurichten. Mittelfristige Termin- und Urlaubsplanung, Büro und Unterlagen ausmisten und vielleicht nochmal mit einem Film- oder einer Playstation-Session von den doch eher lauten Feiertagen erholen.

Das Paket mit den Studienbriefen für das zweite Semester ist ja schon seit Ende Oktober da, aber ich will’s nicht aufmachen solange das Semester nicht vollständig abgeschlossen ist. Und das ist es für mich erst wenn ich das Ergebnis der letzten Klausur (Mathe) hab. Die Klausur lief ja solala… weil die Vorbereitung meinerseits mal wieder so unfassbar dilettantisch war. Das Ergebnis ist also kaum abzuschätzen. Ich könnte Glück gehabt haben und meine Ergebnisse waren einigermaßen richtig. Oder die gute Frau Dozentin hat erkannt dass ich wenigstens gewusst hab wie’s gehen sollte, wenn ich auch in der Hektik nicht richtig gerechnet habe. Oder ich hatte Pech – und hab überhaupt nix getroffen und noch nicht mal die gewählten Wege und Formeln waren richtig. Dann kann ich den Klausurtermin ins nächste Semester einplanen. So oder so, ich brauche dieses Ergebnis um mich gedanklich ins nächste Semester zu stürzen. Und langsam werde ich auch ungeduldig.

Ich hab bei den anderen Klausuren nie vor Ablauf von zwei Wochen in den Prüfungsverlauf geguckt. Was eigentlich zu früh ist, weil uns gesagt wurde es dauert ungefähr drei Wochen. Bei Englisch hab ich gar nicht geschaut, da hab ich erst von T. erfahren dass das Ergebnis da ist. Die Eintragung der Informatikergebnisse hab ich am Telefon erfahren als ich gerade bei M. war und mit der Vorbereitung auf Mathe angefangen hatte (eine Woche vor der Klausur). Das war allerdings auch eine Woche früher da als man es erwarten konnte. Werkstofftechnik hab ich auch nicht selbst geschaut. Das war genauso eine ungewisse Nummer wie jetzt bei Mathe. Da konnte alles rauskommen. Also hab ich gesagt, ich will es nur hören wenn das Ergebnis positiv ist.

Vor ein paar Tagen war ich schon im Online-Campus eingeloggt. Das war am Montag, 4. Januar. Ich konnte es nicht mehr aufschieben und wollte mindestens schon mal einen Blick auf die Klausuren werfen und bei der Gelegenheit auch gleich ausdrucken. Die Klausurvorbereitung muss dieses Semester anders laufen. Ich konnte dann nicht wieder raus ohne in den Prüfungsverlauf geschaut zu haben. Dafür bin ich zu schwach. Aber das Ergebnis war eh noch nicht da.

Heute Morgen hab ich noch daran gedacht, dass das Ergebnis dieses Wochenende eigentlich da sein könnte. Die drei Wochen gehen morgen zu Ende. Man könnte es niemandem vorwerfen wenn sich die Bekanntgabe um eine Woche verzögern würde. Schließlich waren die Feiertage dazwischen.
Und dann war es tatsächlich so weit. Einen Tag vor Ablauf der Dreiwochen-Frist. Ich bin gegen Mittag angerufen worden. Und auf den Satz: „Dein Ergebnis ist da.“, hab ich reflexartig gesagt: „Ich will es nur hören wenn ich bestanden hab“. Völliger Quatsch so ein Satz, weil ich das Ergebnis unbedingt wissen wollte. Und wenn ich es in dem Augenblick nicht gesagt bekommen hätte, dann hätte meine Geduld höchstens drei Minuten gehalten, bis ich selbst eingeloggt gewesen wäre. Aber ich hatte Glück. Entweder ich hab tatsächlich ein paar Sachen richtig gerechnet, oder das was ich mir zusammengewurschtelt hab, hat für einen Sachkundenachweis gereicht. Völlig egal eigentlich. Ich hab bestanden.

Wie genau das Ergebnis ausgefallen ist und wie es vielleicht hätte sein können, wenn die Vorbereitung etwas länger als ein paar Vormittage und Abende gewesen wäre, darüber könnte man jetzt viele Sätze schreiben die mit „Eigentlich“, oder „Wenn“ anfangen. Aber an dieser Stelle keinen Blick zurück. Ich werde die Klausur auch nicht nochmal angucken. Bestanden ist bestanden. Und das bedeutet, das erste Semester ist abgeschlossen und ich kann das zweite angehen. Ich denke am Wochenende werde ich das Paket mit den Studienbriefen mal aufmachen.

 
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