Nach der amüsanten Lernrunde am Freitag stand heute Morgen die erste Englischvorlesung an. Ich hatte es ja schon erwähnt, die meisten Studenten haben sich die Leistungen für Englisch aus ihrer vorangegangenen Ausbildung anrechnen lassen. Das hätte ich wahrscheinlich auch probieren können, aber ehrlich gesagt, hab ich mich an der HFH eingeschrieben um herauszufinden, ob ich das leisten kann, was in einem Studium gefordert wird. Außerdem glaube ich, dass eine Prüfung in Business-English keine unüberwindbare Hürde sein sollte.
Es war also zu erwarten, dass die Englischvorlesung nicht so einem großen Zulauf ausgesetzt sein würde. Aber was ich heute Morgen erleben durfte, war wirklich nicht absehbar. Aus unserer Lerngruppe müssen tatsächlich nur zwei von vier – T. und ich – die Klausur in Englisch schreiben. Ich bin dementsprechend davon ausgegangen, dass sich ungefähr die Hälfte der üblichen Studenten da einfindet. Wirklich bock auf Englischstunden hatte ich eigentlich nicht. Aber mit Aussicht auf eine etwas kleinere Runde war der Gedanke erträglich. Und es wurde sogar noch ein bisschen erträglicher als gedacht.

Als ich kurz vor Vorlesungsbeginn angekommen bin (ich bin diesmal ein bisschen später losgefahren als die letzten Male), waren ganze zwei Studenten im Raum. Mit mir waren wir also drei. Und bis auf den Dozenten, Mr. C., kam auch erstmal keiner mehr. Mein Kollege T. hätte eigentlich auch da sein sollen, hat aber pauschal mal verpennt und kam erst in der ersten Pause. Insgesamt waren wir also zu viert die wir an der Englischvorlesung teilgenommen haben. Eine so gemütliche Englischstunde hatte ich in meiner kompletten Schulzeit nicht. Englischstunden waren nie wirklich cool – und niemand hat sich darauf gefreut, aber die Stunden heute gehören wohl zu den besten Unterrichtsstunden, die ich je gehabt hab.

Wie es sich auf diesem Niveau gehört, wird die Vorlesung vollständig auf Englisch abgehalten. Aber Mr. C. gehört zu den cooleren Dozenten und zeigt Verständnis dafür, dass die drei armen Schweine, die sich Samstag-Morgens in die Englischvorlesung gequält haben, hier und da ein paar Lücken im Wortschatz aufweisen. Und es gibt keine bessere Vorbereitung auf eine Klausur, als Unterricht in einem so kleinen Kreis, zusammen mit dem Dozenten, der die letzten Jahre dafür zuständig war, die Klausuren zu korrigieren. Nach einer kurzen obligatorischen Vorstellungsrunde, ging es dann auch ziemlich direkt los mit der Besprechung der ersten anfallenden Aufgabenstellung. Insgesamt gibt es in der Englischklausur an der HFH vier verschiedene Aufgabentypen.

  •          Reading Comprehension; vier oder fünf Fragen zu einem Fließtext über irgend ein Thema aus dem Wirtschaftsbereich
  •          Letter & Email writing; Brief oder Email mit bestimmter Zielsetzung, zu beachten sind im Wesentlichen die formalen Anforderungen und die Einhaltung des richtigen O-Tons.
  • Telephoning; die meistbenutzten Wendungen und Phrasen sollte man kennen.
  • Notice Writing; Ein Hinweisschild. Was drauf stehen soll bekommt man vorgegeben. Man muss es nur noch ausgestalten.

Drei davon werden in der Klausur kommen. Wenn man richtig Glück hat, dann bekommt man eine Aufgabe im „Telephoning“, die per Multiple Choice gelöst wird. Die Punkte sind dann in jedem Fall sicher. Zusätzlich kommt noch eine weitere Aufgabe. Eine Frage mit der Aufforderung 5 oder 6 Sätze dazu zu schreiben. Auch das sollte machbar sein.

Ich hatte fälschlicherweise angenommen es wären vier Vorlesungstage, an denen jeweils einer der Studienbriefe nachbearbeitet wird. Also hatte ich auch nur einen Studienbrief – den ersten – mit dabei. Aber es sind nur zwei Tage angedacht. Und Mr. C. belegt die zur Verfügung stehende Zeit nach einem spontan festgelegten Plan. Er hat aber zu meinem Glück nicht allzu viele Dinge direkt im Studienbrief besprochen. Er hat nochmal ein paar Basics erklärt, die man sich in Erinnerung rufen sollte. Ein paar Regeln, an die man sich halten soll wenn man Texte auf Englisch verfasst. Und nebenbei haben wir gemütlich und entspannt an den Tischen gesessen und uns über Gott und die Welt unterhalten. Quasi als praktische Übung zum gesprochenen Englisch.

Vor der Englischklausur braucht also niemand Angst haben. Die Anforderungen sind nicht übertrieben hoch und die Vorbereitung ist mit den Studienbriefen passgenau möglich. Wer also schon mal ein bisschen Englisch in der Schule hatte, sollte sich keinen Kopf darum machen. Der Dozent selbst hat gesagt, dass er noch nie einen Studenten ein zweites Mal in der Klausur gesehen hat. Die Vorlesung war ziemlich locker und zum nächsten Plausch mit Mr. C. werde ich auf jeden Fall auch da sein.

 
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