Immer alleine lernen wird nicht funktionieren

Im Laufe der ersten Vorlesungen lernt man natürlich auch ein paar seiner Kommilitonen kennen. Neue Leute zu treffen war ja auch ein Grund warum ich mich für ein Studium interessiert hab. Ich gehöre jetzt nicht zu den kontaktfreudigsten Menschen, aber wenn man mit zwanzig anderen in einem Raum sitzt und auf den Vorlesungsbeginn wartet, kommt man nicht drum herum sich mal mit den anderen zu unterhalten. Das ist in der Anfangszeit auch meist ziemlich lustig. Man lernt sich kennen, wo die anderen herkommen und was sie machen. Aber auch wie weit sie mit dem entsprechenden Lernstoff schon sind. Und man staunt schon nicht schlecht wie unterschiedlich die Herangehensweisen so sind. Irgendwann bin ich über dieses Thema dann darauf angesprochen worden, dass eine Lerngruppe gegründet werden soll.

Da hatte ich Glück. Ich hab das Thema selbst nicht forciert. Mir war aber klar, dass es zwingend notwendig sein wird, sich eher früher als später einer solchen Lerngruppe anzuschließen. Den Löwenanteil des Lernens absolviert man allein. Aber immer nur alleine lernen, ist erstens weniger lustig, und zweitens nicht immer am effizientesten. Man kommt einfach manchmal allein nicht weiter. Man kann seine Motivation nicht immer aufrechterhalten. Und der Lerneffekt ist um ein vielfaches größer wenn man Ergebnisse und Ansätze mit anderen bespricht.

Glück gehabt, Lerngruppe gefunden

Wie gesagt, dieses Mal war das Glück auf meiner Seite. Ich hatte mich noch nicht mit der Lerngruppenabsicht beschäftigt, es war ja noch früh im Semester, aber einer der wenigen Mitstudenten mit denen ich schon mehr als den Einleitungs-Smalltalk gesprochen hatte, sprach mich direkt darauf an. Ich kann schon Mal sagen dass T. mit Sicherheit zu den kontaktfreudigeren Menschen auf dieser Welt gehört und in dieser Sache die nötige Konsequenz an den Tag legte. In einer der Pausen, während wir vor dem Gebäude eine geraucht haben (hier zeigt sich der einzige Vorteil des Rauchens), sprach er mich direkt darauf an. „Wir wollen eine Lerngruppe gründen.“ Ich hatte keine Ahnung wer „Wir“ war. Aber er war jedenfalls ein ziemlich offener und umgänglicher Typ. Und das alleine hab ich als Kriterium gelten lassen. Ich hab seine Aussage direkt als Einladung wahrgenommen und ohne zu zögern die Gelegenheit ergriffen. Besser konnte es nicht laufen, also… „Ich bin dabei“.

Später standen wir dann zu viert an ungefähr der gleichen Stelle. Nummern austauschen und den ersten Termin ausloten. Jeder sein Handy in der Hand. Der erste Termin sollte gleich am Ende der Woche sein. Und es passte auch ziemlich gut. Keine Vorlesungen am Freitag und das Angebot bei T. die erste Runde zu starten, passte jedem. Als ich später die Adresse in Google-Maps eingegeben hab, zeigte sich, wie perfekt das tatsächlich passte. Treffen Freitag, 15:30 Uhr – dreißig Minuten nach Feierabend – keine 4 Kilometer von meinem Arbeitsplatz weg. Ein paar Tage nach Vorlesungsbeginn war ich also schon in einer Lerngruppe untergekommen. Perfekt, das fängt gut an.

Passt alles perfekt

Und es ging gut weiter. Nicht mal eine Woche später haben wir uns also bei T. getroffen und die Schulbücher gewälzt. Naja, wir hatten uns zwar auf ein Modul geeinigt das wir bearbeiten wollten, aber wir mussten erst einmal ausloten auf welchem Stand jeder einzelne war. Und weil wir uns ja eigentlich alle noch gar nicht richtig kannten, sind wir doch ziemlich oft vom eigentlichen Thema abgekommen. Aber das machte nichts. Wir haben einen großen Teil der Zeit auf T’s Balkon verbracht und geraucht. Und ich, für meinen Teil, hatte einen der lustigsten Freitagnachmittage seit langer Zeit. Denn normalerweise fahre ich nach der Arbeit nach Hause, esse etwas und lasse den Nachmittag lang die Ruhe auf mich einwirken, damit ich entspannt in mein Wochenende gehen kann.
Ein bisschen was vom Lernstoff Werkstofftechnik haben wir uns dann doch noch angeguckt. Wir haben dann noch besprochen wie es die nächsten Male weitergehen soll und noch ungefähr den Rahmen für die nächsten Termine abgeklärt.

Außenstehende könnten sagen wir wären an diesem ersten Freitag mit unserer Lerngruppe nicht besonders effizient, ziemlich unkonzentriert und stellenweise ein bisschen albern gewesen. Solchen Leuten würde ich dann sagen: „Fuck you! Es war alles so wie es sein sollte.“ Es wird noch besser werden. Es muss auch zwingend effizienter werden. Aber eine Lerngruppe gehört zu den essentiellen Bestandteilen eines Studiums. Ohne wird es schwer. Oder zumindest schwerer als nötig. Die nächsten Termine können also kommen.

 
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