Es ist soweit. Seit vier Tagen bin ich offiziell Student des Wirtschaftsingenieurwesens an der Hamburger Fernhochschule. Und gestern dann die erste offizielle Veranstaltung. Wahrscheinlich weil die Studentenzahl bei dieser Veranstaltung sich in den letzten Jahr nicht allzu hoch war, oder um die Wichtigkeit dieser ersten – nennen wir es mal Vorlesung – zu unterstreichen, hat sich die Verwaltung der HFH dazu entschieden, die Eröffnungsveranstaltung für Studenten des WIW verbindlich zu machen. Die erste kleine Enttäuschung bei den vielen positiven Eindrücken bis jetzt. Allerdings hat man uns wenigstens die Wahl zwischen drei Terminen gelassen. Einer Freitag, einer Samstag, und einer in der Folgewoche, wobei da auch schon die ersten richtigen Vorlesungen laufen. Man konnte ankreuzen; Geht, geht wenn’s sein muss, oder geht gar nicht. Ich hab meinen Wunschtermin für den ersten Termin am Freitag gewählt und durfte den auch wahrnehmen. Ich hatte ehrlich gesagt noch keine Lust am Samstag-Morgen aufzustehen und zur Vorlesung zu fahren. Ich bin noch nicht im Fernstudium-Rhythmus.


Die Veranstaltung drohte anstrengend zu werden. Wenn man schon den ganzen Tag gearbeitet hat, dann fast fünfundvierzig Minuten durch den Feierabendverkehr zum Studienzentrum gefahren ist, dann muss schon interessanter Inhalt her um meine Aufmerksamkeit über die angekündigten 5 Stunden aufrecht zu halten. Am Anfang ist man noch neugierig, aber nach kurzer Zeit ist die Neugier verflogen und dann muss was kommen. Traurigerweise kam leider nicht viel. Man muss dem guten Herrn zugutehalten, dass er den einschläfernden Inhalt seines Vortrags mit seiner sympathischen Art und seinem geübten Vortragsstil abfangen konnte. Sonst wäre es auch wirklich kaum erträglich gewesen. Denn der Inhalt der ersten Hälfte bestand eigentlich nur aus dem was man schon den ersten Studienbriefen entnommen hatte, wenn man sie denn gelesen hatte. Es wurde einem nahegelegt, aber man hätte es sich sparen können. Die zweite Hälfte wurde aber besser. Die Dame jetzt die Vorlesung hielt hangelte sich zwar auch an den Inhalten der ersten Studienbriefe entlang, allerdings war sie noch ein bisschen geübter. Ich würde sogar so weit gehen sie als Unterhaltsam zu bezeichnen. Außerdem schmückte sie den Vortag noch mit wirklich interessanten Erfahrungsberichten und kleinen Übungen aus. Auch hier muss ich sagen, wesentlich besser als damals an der FH. Mit den fünf Studienbriefen und der ersten Vorlesung – die nur als Eröffnungsveranstaltung deklariert wurde – hab ich mehr über das Studieren an sich gelernt, als in dreieinhalb Jahren Studium an der Fachhochschule. Einen kleinen Makel hatte der Vortrag. Die Vorstellungsrunde die sie unbedingt musste. Ich hatte damit gerechnet, hätte aber auch drauf verzichten können. Man hört sich im Schnelldurchgang die Namen, Alter, Herkunft, Studiengänge und Gründe fürs Studium von ca. 25 Menschen an und kann sich eh bestenfalls 2 davon merken. Ein lustiges Detail dieses Abends wurde dabei aufgedeckt. Nicht nur das sich an den Tischen auf der rechten Seite des Raumes nur Männer fanden und alle anwesenden Frauen, zusammen mit den Männern die rechts keinen Platz mehr gefunden hatten, auf der linken Seite. Nein, es war auch so, dass alle – ohne Ausnahme – die auf der rechten Seite saßen, für den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben waren. Und auf der linken Seite der ganze Rest. Da waren dann die Aufbaustudiengänge Technik & Wirtschaft, sowie die MBAs. Das Ganze ist ohne Platzanweisung abgelaufen. Und ich glaube bis auf ein paar Einzelfälle kannten sich die Studenten noch nicht.
Bis auf diesen denkwürdigen Zufall war die Vorstellungsrunde aber wie erwähnt sinnlos. Für die Dozentin war es vielleicht noch interessant zu sehen, wer sich da überhaupt eingefunden hatte. Für mich sind solche Runden eher lästige Pflichtübung. Wenn ich in einer solchen Zweckgemeinschaft jemanden kennenlernen will, dann schaff ich das spätestens in der Pause in der Raucherecke. Aber ich brauch dafür sicher kein pädagogisches Frühstück.
Eine Kleinigkeit soll nicht unerwähnt bleiben. Die großzügigen Geschenke die die HFH jedem Studenten auf seinen Platz gelegt hat. Beim Reinkommen fand sich auf jedem Platz eine schwarze Ledermappe mit HFH-Logo-Prägung auf der Front. Für jemanden wie mich, der noch nie so eine Mappe benutzt hat, aber mit einem ausgeprägten Hang zu Schreibwaren und Büroartikeln ausgestattet ist, ein schönes Geschenk. Drinnen fanden sich dann ein HFH Kugelschreiber, ein HFH Post-it-Block und ein karierter Block, natürlich mit HFH Logodruck. Das war es dann aber auch schon von der Eröffnungsveranstaltung. Nächster Termin ist dann der Samstag in zwei Wochen. Mathevorlesung.

 
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