New Balance 640

Vor nicht allzu langer Zeit gab es in der deutschen Musiklandschaft noch eine Gruppe von Rap-Künstlern die sich lustiger weise einfach Blumentopf nannte. Lustig wie der Name selbst, waren auch sämtliche Texte von ungemeinem und unerreichtem Wortwitz geprägt.
Aber damit erzähle ich hier niemandem etwas Neues. Die meisten die deutschsprachige Rap-Musik hören, werden Blumentopf kennen, oder hoffentlich irgendwann darüber stolpern (es ist euch zu wünschen). Nachdem die Band zum Leidwesen aller Fans beschlossen hat nicht mehr als diese weiter zu machen, konnten einige der Mitglieder jedoch nicht einfach den Mund halten. Und so erschien 2015 ein Album der Mitglieder Roger & Schu mit dem Namen „Clap Your Fingers“. Bei den vielen vielen Textpassagen des Blumentopf-Repertoires, in denen man sich wiederfindet, wenn man der gleichen Generation entstammt, ist nun eine dabei, die ich heute aufgreifen will. Weil ich mich beim ersten Hören voll und ganz darin gesehen habe, als wenn es meine eigenen Zeilen gewesen wären. Und weil sie mir sofort wieder eingefallen ist, als das geschehen ist, was mich zu diesem kleinen Beitrag veranlasst hat.

Track Nummer 5 auf der „Clap Your Fingers“-Scheibe von Roger & Schu heißt „Deine Jungs / Meine Jungs“. Ein gerappter Text der die Unterschiede zwischen der neuen (jüngeren) und der älteren (Blumentopf-) Generation behandelt. Wie das ganze Album etwas Nostalgiebehaftet, aber sehr sehr hörenswert. Und da heißt es irgendwann…

„…Deine Jungs holen New Balance aus‘m Popup-Store in Mitte, meine holen die gleichen aus’m Keller aus ‘ner alten Kiste…“

Ich hatte auch ein paar New Balance in einem Karton im Keller. Sehr lange sogar. Über zehn Jahre um es etwas genauer zu machen. Zwischenzeitlich hatte ich die Schuhe schon vergessen. In dem Karton waren noch ein paar andere Schuhe. Alles ziemlich coole Treter die ich nicht täglich tragen wollte und deshalb im passenden Schuhkarton aufbewahrt hab. Der Karton war mal eine Weile auf einem Dachboden, mal bei meinen Eltern im Keller und stand auch mal eine ganze Zeit unbeachtet in der Ecke. Aber ich wusste immer was drin war. Nämlich unter anderem diese New Balance 640. Diese New Balance die ich zum Schnäppchenpreis von keine Ahnung wie viel vor über zehn Jahren in einer Intersport-Filiale in der Hamburger City gekauft hab.
Und dann sind sie mir eingefallen. Als es darum ging im Zuge meiner Reha wieder auf ein Laufband zu steigen und nach langer langer Zeit wieder ein Lauftraining zu beginnen.

Und wie man sich freut, wenn man bei so einer Gelegenheit auf ein paar fast ungetragene, aber schon eingelaufene New Balance zurückgreifen kann, brauch ich wohl niemandem erklären. Aber die Freude währte nicht lang. Beim Absteigen vom Laufband nach der ersten Laufeinheit viel mir schon das größere Feld weißer Krümel hinter dem Laufband auf. Und als ich ein paar Meter später bemerkte, dass ich weiße Krümelspuren hinterlasse, hab ich einen genaueren Blick auf mein Schuhwerk geworfen. Es war leider schnell klar; es war vorbei. Das lange Leben meiner gut gepflegten und supercoolen New Balance war vorbei. Die Sohle hatte sich aufgelöst und mit jedem Laufschritt auf dem Band und später auf dem Boden verteilt.

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Jaja, „…aus’m Keller aus’ner alten Kiste…“ sind sie gekommen. Nur allzu alt sollte die Kiste vielleicht nicht sein. Denn die Chemie in der Sohle der Schuhe lässt es scheinbar nicht zu, deine New Balance lange aufzubewahren und sie dann nochmal ihrem eigentlichen Zweck zuzuführen. Nämlich damit zu laufen.

Das hier geht also raus an den (ehemaligen) Blumentopf, an Roger und Schu, an alle aus der Generation und alle aus den jüngeren Generationen. Eben an alle die es für eine super Idee halten ihre Lieblingsschuhe, oder das besonders stylische Schnäppchen in einem Karton im Keller aufzubewahren um es zu einem besonderen Anlass oder der besseren Gelegenheit mal zu tragen.
Tragt sie jetzt!! Tragt sie, solange sie noch heil sind. Es gibt keine Gewissheit dass der Schuh der heute so einen soliden Eindruck macht, an dem Tag auch nur hundert Meter macht ohne dass er sich auflöst!

Und für alle die glauben das würde sich vielleicht auf die eine Art von Schuh, die eine Marke oder den einen Schuh beschränken. Falls jemand glaubt, das war ein Einzelfall und kommt so normalerweise nicht vor. Für denjenigen geht die Geschichte hier noch weiter.
Da ich ja nun keine schönen fast neuen Laufschuhe mehr hatte, mein Trainingsprogramm aber weiter laufen sollte, musste ich kurzerhand auf ein paar andere Schuhe aus meinem Regal zurückgreifen. Immerhin wollte ich keine 48 Stunden später wieder aufs Laufband. Und das einzige Paar, das auch nur annähernd an einen Laufschuh herankam, war ein paar Nike Air Max. Auch schon etwas betagter und eigentlich nicht zum Laufen konzipiert. Aber in der Kürze der Zeit ließ sich nix auftreiben und für die paar Kilometer die ich in dieser Trainingsphase abreise, sollten die doch allemal reichen. Oder nicht?

Nein! Sollten sie nicht! Ich mache es ganz kurz und zeige das Ergebnis hier in Bildern.


Das hier passiert (oder kann passieren), wenn man mit einem nicht neuen (etwas älteren) Nike Air Max auf ein Laufband geht. Schuhfans seid stark. Es ist nicht schön und könnte dem einen oder anderen Sneakerliebhaber die Tränen in die Augen treiben.

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Soviel also zu meinem Versuch die Langlebigkeit von New Balance Laufschuhen (die eigentlich eh nicht lange halten, weil damit ja gelaufen werden soll) zu erhalten. Oder; „wie ich in kürzester Zeit mein Schuhregal ausgedünnt habe“

 
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